Donnerstag, 13. August 2015

Wale im Mittelmeer

Wale im Mittelmeer


Wale vor Hyères; Bild: Deécouverte du vivant

Wenn wir an Wale denken, haben wir meist ferne Orte in den großen Weltmeeren vor Augen. Doch tatsächlich sind uns die riesigen Meerssäuger näher, als man denkt. Der Finnwal ist sogar im Mittelmeer heimisch. Allein vor den Küsten Frankreichs leben mehrere Tausend Exemplare. Doch diverse Umwelteinflüsse stellen eine große Gefahr für die beeindruckenden Meerestiere dar.  


Erst vor wenigen Tagen wurden vor den Inseln von Hyères an der Südspitze Frankreichs 11 Wale gesichtet. Und dabei handelt es sich keinesfalls um einen Einzelfall. Besonders im Hochsommer, der Migrationszeit der Wale, kann man zwischen Südfrankreich und Korsika immer wieder ganze Herden von Finnwalen beobachten.

Erforschung der Wale im französischen Mittelmeer

In Frankreich haben sich verschiedene Organisationen dem Schutz und der Erforschung der Mittelmeerwale verschrieben. So sammelt etwa die Forschungsgruppe CECEM (Groupe d'étude des cétacés de Méditerranée) mit Sitz in Marseille seit vielen Jahren Daten über das Leben und Verhalten der Wale im Mittelmeer und die Gesellschaft Découverte du vivant unternimmt regelmäßige Bootsexursionen mit dem Ziel, heimische Meeressäuger wie Pottwale, Delfine und vor allem Finnwale zu beobachten und zu erforschen.

Finnwale im Mittelmeer

Der Finnwal ist und bleibt das Säugetier Nummer 1 des Mittelmeers. Zwischen 3.000 und 7.400 Exemplare vermutet man in den Gewässern vor der Südküste Frankreichs, wobei die letzte und bisher einzige Erhebung mit 3.500 Individuen bereits 20 Jahre zurückliegt. Die Tiere sind mit knapp 20 Metern Länge rund 5 Meter kleiner als ihre im Atlantik lebenden Artgenossen und werden etwas früher, nämlich mit 10 bis 11 Jahren, geschlechtsreif. Außerdem ernähren sie sich ausschließlich von Krill, kleinen garnelenfärmigen Krebstieren, während atlantische Wale auch Fische zu ihrem Speisplan zählen. Und es gibt noch einen weiteren markanten Unterschied: Im Gegensatz zum Atlantikwal heben die Mittelmeerwale ihre Schwanzflosse beim Auftauchen nicht aus dem Wasser.  

Bild: Protected Resouces Division, Southwest Fisheries Science Center, La Jolla, California

Einordnung und Merkmale

Der Finnwal gehört zur Ordnung der Wale und zur Familie der Furchenwale. Zu den verwandte Arten gehört der Blauwal,der Zwergwal, der Brydewal und der Buckelwal. Weltweit gibt es schätzungsweise rund 100.000 Finnwale. Die Tiere werden zwischen 19 und 26 Metern lang, wiegen bis zu 6o Tonnen und können über 90 Jahre alt werden. Finnwale zeichnen sich durch lange, schlanke und besonders geschmeidige Körper mit schmalen, v-förmigen Köpfen, gut sichtbaren, sichelförmigen Rückenflossen, kurzen, lanzettförmigen Bauchflossen und flachen Rückenflossen mit einer Einkerbung in der Mitte aus. Diese Form macht die Tiere zu besonders flinken und wendigen Schwimmern, die kurzfristig Spitzengeschwindigkeiten bis über 90 km/h erreichen können. 

Verhalten   

Finnwale sind besonders aufgeweckte und neugierige Tiere, die oft sehr nahe an Schiffe und Boote heranschwimmen. Sprünge aus dem Wasser sind dagegen eher selten zu beobachten. Sie können bis zu 350 Meter tief und 600 Meter weit tauchen und bleiben dabei zwischen 5 und 10 Minuten, möglicherweise sogar bis zu 20 Minuten, unter Wasser. Beim Auftauchen bleibt ihr Körper zum Großteil im Wasser und auch die Schwanzflosse wird nicht sichtbar. Sie atmen im Abstand von 30 bis 60 Sekunden und sprühen dabei Wasserfontänen bis zu 6 Metern Höhe in die Luft. Zur Kommunikation verwenden Finnwale vorwiegend Töne mit niedrigen Frequenzen zwischen 16 und 40 Hertz und einer Lautstärke bis über 180 Dezibel, die mehrere hundert Kilomter weit zu hören sind. Finnwale sind äußerst gesellige Tiere, die öfter als andere Arten in Herden anzutreffen sind.

Gefahren für die Mittelmeerwale

Trotz seines relativ großen Vorkommens ist auch der Mittelmeerwal bedroht. Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der weltweite Bestand durch den in Mode gekommenen Walfang stark dezimiert, bis dieser 1968 verboten und durch Quoten geregelt wurde. Aber auch heute ist der Wal zahlreichen Bedrohungen insbesondere durch Umwelt- und Wasserverschmutzung ausgesetzt. Hinzu kommt der zunehmende Lärmpegel auf den Ozeanen, der die Kommunikation der Meeressäuger und damit ihre Fortpflanzung beeinträchtigt. Im Mittelmeer geht daneben eine besondere Gefahr von den vielen Fährschiffen aus, die zwischen den Küsten und den Mittelmeerinseln verkehren. Jährlich sterben rund 40 Wale beim Zusammenstoß mit solchen Schiffen. Die Gründe dafür bereiten den Forschern bis heute Kopfzerbrechen. Vielleicht liegt es an Störgeräuschen oder sie sind einfach durch die hohe "Verkehrsdichte" überfordert. Richtig überzeugend ist bislang jedoch noch keine Theorie, ist der Wal doch in der Lage, über dutzende Kilometer mit seinen Artgenossen zu kommunizieren und bei der Nahrungssuche kleinste Meerestiere aufzuspüren.       

Quellen:

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1 Kommentare:

Am/um 6. Februar 2016 um 18:16 , Blogger Canarian Sea meinte...

Wirklich ein sehr schöner Bericht. Die Umwelteinflüsse machen auch den Walen auf den Kanaren zu schaffen und leider fehlen rund um die Inseln Schutzzonen, die allen Meeresbewohnern zugute kommen würden. So lebt zwischen Teneriffa und La Gomera zum Beispiel die größte, fest ansässige Sammlung an Kurzflossen-Grindwalen (400 Stück) und dennoch gibt es keine Schutzzonen. Das ist schon verwunderlich, denn an Land sind die Inseln von Schutzgebieten überzogen... Da rund um die Kanaren 22-27 Walarten, 90 Haiarten, dazu Rochen und natürlich zahllose Arten an Knochenfischen, Meeresschildkröten und andere Meeresbewohner zu finden sind, ist das mehr als verwunderlich. Es muss einfach mehr für den Schutz getan werden.

LG Andi

 

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