Donnerstag, 13. August 2015

Wale im Mittelmeer

Wale im Mittelmeer


Wale vor Hyères; Bild: Deécouverte du vivant

Wenn wir an Wale denken, haben wir meist ferne Orte in den großen Weltmeeren vor Augen. Doch tatsächlich sind uns die riesigen Meerssäuger näher, als man denkt. Der Finnwal ist sogar im Mittelmeer heimisch. Allein vor den Küsten Frankreichs leben mehrere Tausend Exemplare. Doch diverse Umwelteinflüsse stellen eine große Gefahr für die beeindruckenden Meerestiere dar.  


Erst vor wenigen Tagen wurden vor den Inseln von Hyères an der Südspitze Frankreichs 11 Wale gesichtet. Und dabei handelt es sich keinesfalls um einen Einzelfall. Besonders im Hochsommer, der Migrationszeit der Wale, kann man zwischen Südfrankreich und Korsika immer wieder ganze Herden von Finnwalen beobachten.

Erforschung der Wale im französischen Mittelmeer

In Frankreich haben sich verschiedene Organisationen dem Schutz und der Erforschung der Mittelmeerwale verschrieben. So sammelt etwa die Forschungsgruppe CECEM (Groupe d'étude des cétacés de Méditerranée) mit Sitz in Marseille seit vielen Jahren Daten über das Leben und Verhalten der Wale im Mittelmeer und die Gesellschaft Découverte du vivant unternimmt regelmäßige Bootsexursionen mit dem Ziel, heimische Meeressäuger wie Pottwale, Delfine und vor allem Finnwale zu beobachten und zu erforschen.

Finnwale im Mittelmeer

Der Finnwal ist und bleibt das Säugetier Nummer 1 des Mittelmeers. Zwischen 3.000 und 7.400 Exemplare vermutet man in den Gewässern vor der Südküste Frankreichs, wobei die letzte und bisher einzige Erhebung mit 3.500 Individuen bereits 20 Jahre zurückliegt. Die Tiere sind mit knapp 20 Metern Länge rund 5 Meter kleiner als ihre im Atlantik lebenden Artgenossen und werden etwas früher, nämlich mit 10 bis 11 Jahren, geschlechtsreif. Außerdem ernähren sie sich ausschließlich von Krill, kleinen garnelenfärmigen Krebstieren, während atlantische Wale auch Fische zu ihrem Speisplan zählen. Und es gibt noch einen weiteren markanten Unterschied: Im Gegensatz zum Atlantikwal heben die Mittelmeerwale ihre Schwanzflosse beim Auftauchen nicht aus dem Wasser.  

Bild: Protected Resouces Division, Southwest Fisheries Science Center, La Jolla, California

Einordnung und Merkmale

Der Finnwal gehört zur Ordnung der Wale und zur Familie der Furchenwale. Zu den verwandte Arten gehört der Blauwal,der Zwergwal, der Brydewal und der Buckelwal. Weltweit gibt es schätzungsweise rund 100.000 Finnwale. Die Tiere werden zwischen 19 und 26 Metern lang, wiegen bis zu 6o Tonnen und können über 90 Jahre alt werden. Finnwale zeichnen sich durch lange, schlanke und besonders geschmeidige Körper mit schmalen, v-förmigen Köpfen, gut sichtbaren, sichelförmigen Rückenflossen, kurzen, lanzettförmigen Bauchflossen und flachen Rückenflossen mit einer Einkerbung in der Mitte aus. Diese Form macht die Tiere zu besonders flinken und wendigen Schwimmern, die kurzfristig Spitzengeschwindigkeiten bis über 90 km/h erreichen können. 

Verhalten   

Finnwale sind besonders aufgeweckte und neugierige Tiere, die oft sehr nahe an Schiffe und Boote heranschwimmen. Sprünge aus dem Wasser sind dagegen eher selten zu beobachten. Sie können bis zu 350 Meter tief und 600 Meter weit tauchen und bleiben dabei zwischen 5 und 10 Minuten, möglicherweise sogar bis zu 20 Minuten, unter Wasser. Beim Auftauchen bleibt ihr Körper zum Großteil im Wasser und auch die Schwanzflosse wird nicht sichtbar. Sie atmen im Abstand von 30 bis 60 Sekunden und sprühen dabei Wasserfontänen bis zu 6 Metern Höhe in die Luft. Zur Kommunikation verwenden Finnwale vorwiegend Töne mit niedrigen Frequenzen zwischen 16 und 40 Hertz und einer Lautstärke bis über 180 Dezibel, die mehrere hundert Kilomter weit zu hören sind. Finnwale sind äußerst gesellige Tiere, die öfter als andere Arten in Herden anzutreffen sind.

Gefahren für die Mittelmeerwale

Trotz seines relativ großen Vorkommens ist auch der Mittelmeerwal bedroht. Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der weltweite Bestand durch den in Mode gekommenen Walfang stark dezimiert, bis dieser 1968 verboten und durch Quoten geregelt wurde. Aber auch heute ist der Wal zahlreichen Bedrohungen insbesondere durch Umwelt- und Wasserverschmutzung ausgesetzt. Hinzu kommt der zunehmende Lärmpegel auf den Ozeanen, der die Kommunikation der Meeressäuger und damit ihre Fortpflanzung beeinträchtigt. Im Mittelmeer geht daneben eine besondere Gefahr von den vielen Fährschiffen aus, die zwischen den Küsten und den Mittelmeerinseln verkehren. Jährlich sterben rund 40 Wale beim Zusammenstoß mit solchen Schiffen. Die Gründe dafür bereiten den Forschern bis heute Kopfzerbrechen. Vielleicht liegt es an Störgeräuschen oder sie sind einfach durch die hohe "Verkehrsdichte" überfordert. Richtig überzeugend ist bislang jedoch noch keine Theorie, ist der Wal doch in der Lage, über dutzende Kilometer mit seinen Artgenossen zu kommunizieren und bei der Nahrungssuche kleinste Meerestiere aufzuspüren.       

Quellen:

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Mittwoch, 3. Juni 2015

Umweltverschmutzung Mittelmeer

Plastikfriedhof Mittelmeer

Die Müllproblematik im Mittelmeer  Hintergründe und Lösungsansätze 

Plastiktüten im Mittelmeer; Bild: marcelgreen.com

Die französische Mittelmeerküste zählt nicht nur zu den beliebtesten Urlaubsregionen Europas  sie weist auch eine unwahrscheinliche Vielfalt mariner Tier- und Pflanzenarten auf. Doch trotz zunehmenden Bewusstseins für die Bedeutung des Meeres und seiner Bewohner ist das Mittelmeer, genau wie viele andere Gewässer der Welt, durch Verunreinigungen, Übernutzung und Klimawandel gefährdet. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Belastung durch Müll dar. Im Folgenden möchten wir Euch einen Überblick über Ursachen und Auswirkungen der Verschmutzung sowie aktuelle Bemühungen zur Bekämpfung der Müllproblematik geben.   


Zunehmende industrielle Aktivitäten und mangelnde Entsorgungsinfrastruktur sorgen dafür, dass die Menge an Müll, die jedes Jahr im Mittelmeer landet, stetig wächst. Dabei werden rund 80 % dieser Abfälle an Land erzeugt. Besonders die wachsenden Metropolregionen an der französischen Mittelmeerküste werden den explodierenden Müllmengen ihrer Einwohner, Touristen und Unternehmen längst nicht mehr Herr und leiten große Mengen davon ins Mittelmeer. Die Folge sind verschmutzte Strände, Artensterben im Wasser wie an Land und eine zunehmende Schadstoffbelastung in der gesamten Nahrungskette, Dabei stellt insbesondere der Plastikmüll eine immense Belastung dar.

Internationale Konferenz "Plastique et Méditérranée"

Um dieser gefährlichen Entwicklung entgegenzuwirken, setzen sich verschiedene Akteure aus den betroffenen Regionen für den Schutz des Mittelmeers ein und arbeiten an Lösungen, um die Müllproblematik in den Griff zu bekommen. So fand erst kürzlich, im März 2015, in Monaco eine internationale Tagung zum Thema Plastikmüll im Mittelmeer statt. Unter dem Motto "Plastique et Méditerranée : au déla du constat. Quelles solutions ?" sollte es dabei nicht nur um eine Bestandsaufnahme gehen, sondern darum, echte Lösungsansätze zu entwickeln. Veranstalter der Konferenz war Beyond Plastic Med, eine Initiative der Prince Albert II of Monaco Foundation, der Mava Foundation, Tara Expéditions und Surfrider Foundation Europe. Ziel war es, in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten (Unternehmen, Regierungen, Wissenschaftlern etc.) konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, um einerseits die Produktion von Plastikmüll zu reduzieren und andererseits seine schädlichen Auswirkungen auf die maritime Umwelt zu minimieren. Dazu gehören u.a. innovative Recyclingmethoden, die Entwicklung neuer stabilerer und schadstoffärmerer Kunststoffe sowie alternativer, biologisch abbaubarer Verpackungsmaterialien und die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Auswirkungen des erhöhten Müllaufkommens.

Lebenszyklus einer Plastiktüte; Grafik: taramediterranee.blog

Meeresschutzgebiete und die Initiative MedPAN

Mit dem Schutz des Mittelmeers beschäftigt sich auch die Inititative MedPAN. Das internationale Netzwerk umfasst knapp 100 Mitglieder und Partner aus 18 Mittelmeerstaaten, darunter Umweltministerien, Forschungseinrichtungen, Nationalparks, Umweltschutzorganisationen und andere NGOs. Mit diversen Projekten und Aktionen widmet sich MedPAN insbesondere der Entwicklung und Verwaltung von marinen Naturschutzgebieten (z.B. Natura 2000 Schutzgebiete) und sucht nach nachhaltigen Lösungen, um die Interessen von Umwelt, Industrie, Tourismus und Fischfang zu vereinen.
 

Die französischen Mittelmeerinseln  Naturschutzgebiete und "Wachposten" vor der Küste Frankreichs

Beim Schutz der Artenvielfalt und der Wasserqualität des Mittelmeeres kommt den vielen kleinen Inseln vor der französischen Mittelmeerküste eine besondere Rolle zu. Die mehr als 1000 oft winzigen Inseln im westlichen Mittelmeerbecken weisen zum Teil einzigartige Ökosysteme mit zahlreichen endemischen Arten auf, die es zu schützen gilt. Gleichzeitig gelten sie als Indikator dafür, welche Schäden die Verschmutzung des Meeres durch Plastikmüll und andere Verunreinigungen für das Gesamtsystem Mittelmeer sowie alle anderen Gewässer der Welt mit sich bringt. Aufgrund ihrer äußerst sensiblen Ökosysteme reagieren sie besonders empfindlich auf Umweltveränderungen. Artensterben und Epidemien sind hier also nicht nur besonders verheerend, sondern können und sollten auch als Warnsignal für das gesamte Mittelmeer angesehen werden.    

Die "Goldenen Inseln" vor der französischen Mittelmeerküste; Bild: Pascal Saint Jean

Ein Gesetz für die Umwelt: Verbot von Einweg-Plastiktüren ab 2016

Auch die französische Regierung hat das Problem erkannt und einen ersten Schritt zur Bekämpfung des Plastikmülls im Mittelmeer unternommen: Im Juli 2015 wurde ein grundsätzliches Verbot von Einweg-Plastiktüten in Frankreich beschlossen, das am 1. Januar 2016 in Kraft tritt. Mehr dazu erfahrt Ihr hier (auf Französisch).


Quellen:
www.medpan.org
oceans.taraexpeditions.org
www.beyondplasticmed.org
taramediterranee.blog
www.marcelgreen.com
www.surfrider.eu/a-vos-cabas-le-sac-plastique-a-usage-unique-interdit-des-2016-en-france/


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Donnerstag, 9. April 2015

Sanfte Mobilität in Gruissan

Nachhaltiger Tourismus an der französischen Mittelmeerküste

Im Rahmen des Projekts Eco-gare Odyssea Protect stellt Gruissan auf sanfte Mobilität um

Bild: C.G. Deschamps
Die kleine französische Hafenstadt Gruissan bei Narbonne gilt seit Langem als Vorbild in Sachen naturnaher und nachhaltiger Tourismus. Wie kaum ein anderer Badeort an der beliebten Mittelmeerküste hat es Gruissan geschafft, seine natürlichen Küstengebiete zu erhalten. Der Strand von Gruissan ist für seine außerordentliche Wasserqualität bekannt und wird seit Jahren immer wieder mit der Blauen Flagge ausgezeichnet. Doch mit zunehmendem Besucherzahlen wird gerade das Thema Transport und Mobilität immer mehr zur Herausforderung. Deshalb baut die Stadt jetzt im Rahmen des EU-Projekts Eco-gare Odyssea Protect® seine Infrastruktur für eine klimaneutrale Fortbewegung aus - und nimmt dabei wieder einmal eine Vorreiterrolle ein.   

Das Projekt  
Eco-gare Odyssea Protect ist eine Initiative des Netzwerks Odyssea, in dem sich Hafenstädte und -regionen aus mehreren Mittelmeerländern zusammengeschlossen haben. Ziel ist es, die natürliche Umwelt der teils stark touristischen Küstenregionen zu bewahren, indem mithilfe von neuen Technologien und Innovationen ein breites Angebot an klimaneutralen Fortbewegungsmöglichkeiten geschaffen wird. In der ersten Projektphase werden aktuell rund 15 Mittelmeerstädte zu sogenannten "Ökohäfen" umgerüstet, allen voran Gruissan. Das Konzept besteht darin, eine neue interaktive und dabei umweltschonende Art des Tourismus zu fördern, ein Art Entdeckungsurlaub, bei der die Besucher die Stadt, die Küste und das Hinterland auf eigene Faust erkunden können - mit solarbetriebenen E-Bikes, mit dem Elektroauto oder mit dem Segway. Als virtueller Guide dienen mobile Anwendungen für Smartphones, Tablets oder GPS, die die Abenteurer auf einer thematischen Route durch die Landschaft leiten und auf kulturelle oder natürliche Sehenswürdigkeiten aufmerksam machen.


Bild: Gruissan
Tourismus ja - Tourismushochburgen nein!
Den Tourismus in der Region um Gruissan zu fördern, ohne dabei die sensiblen Ökosysteme der Küstenregion zu gefährden, das war schon immer erklärtes Ziel des kleinen Hafenortes am Mittelmeer. Deswegen verweigerten die Stadt und ihre Bewohner auch konsequent jeden Versuch, die Strandpromenade mit Hotelkomplexen zu verbauen. Das Ergebnis ist ein gut erhaltener Ortskern, der nur wenig mit den Touristenhochburgen zu tun hat, die sich ansonsten entlang der Mittelmeerküste erstrecken, und ein naturbelassener Strand, der alljährlich die Blaue Flagge für ausgezeichnete Wasserqualität erhält. Das Umland bietet zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten für Naturliebhaber und Abenteurer. Ein besonderes Highlight ist die Lagune von Gruissan mit ihren natürlichen Salzwasserseen. Mit dem neuen Angebot an grünen Transportmitteln können Besucher diese Landschaftsperlen nun ganz umweltverträglich erkunden.

Die Salzlagune von Gruissan; Bild: ADT Aude
    
Urlaub in Pfahlbauten am Strand von Gruissan
Eine ganz besondere Möglichkeit, naturnahen Urlaub am Meer zu verbringen, sind die Pfahlbauten am Strand von Gruissan. Die ehemaligen Fischerhäuser aus Holz sind auf Pfählen gebaut, um gegen Überschwemmungen gewappnet zu sein. Durch ihre einzigartige Lage direkt am Strand bieten sie einen perfekten Ausgangspunkt für Badeurlaub und Erkundungstouren.

Fischer-Pfahlbau am Strand von Gruissan

Quellen:
www.odyssea.eu
http://gruissan.blogs.lindependant.com
Office de Tourisme de Gruissan: Balades et Itinéraires Touristiques Zéro Emission

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Donnerstag, 11. Dezember 2014

Austern - Teil 2

Die Auster und der Klimawandel


Bild: Ifremer

Bereits in der Antike war die Auster eine begehrte Delikatesse, die von den Galliern als Einnahmequelle entdeckt, am Atlantik gefangen und an die Römer verkauft wurde. Doch im Laufe der Zeit geriet die edle Meeresmuschel fast in Vergessenheit und wurde erst im 17. Jahrhundert am Tische des französischen Hochadels wiederentdeckt. 

Im 18. Jahrhundert erfreute sich die Auster einer solchen Beliebtheit und wurde in solch großer Stückzahl konsumiert, dass die heimische Europäische Art kurz vor dem Aussterben stand. In der Folge wurden auf französischem Hoheitsgebiet Konzessionen für den Austernfang eingeführt und die heute weit verbreitete Pazifische Felsenauster aus Portugal importiert. 

Heute steckt die französische Austernwirtschaft wieder in der Krise, denn zwischen 1968 und 1979 fiel die Europäische Auster zwei Parasitosen zum Opfer, von denen sie sich bis heute nicht erholt hat, und die portugiesisch-stämmige Muschel leidet seit einigen Jahren ebenfalls an einer Krankheit, die ihren Bestand ernsthaft gefährdet. 

Tierisches Barometer für den Klimawandel

In der Wissenschaft gilt die Auster schon seit vielen Jahren als Gradmesser für den Gesundheitszustand der Meere und wird als „Laborratte“ für wissenschaftliche Studien eingesetzt. Für ökophysiologische Studien eignet sich das Meerestier besonders gut, da es seine Körpertemperatur nicht selbst reguliert, sondern diese durch seine Umwelt gesteuert wird. Für die Fortpflanzung der Pazifischen Felsenauster ist die Wassertemperatur ein entscheidender Faktor, weil sie bestimmt, wie schnell erwachsene Tiere geschlechtsreif werden, wann sie ihre Eier ablegen und wie sich die Larven entwickeln. Ideale Bedingungen für die Fortpflanzung sind aber einer Wassertemperatur von 20-21°C gegeben. 

Auf klimatische Veränderungen reagiert die Auster sehr stark. Es verwundert also nicht, dass als Folge der Erderwärmung bereits deutliche Veränderungen in ihrem Wachstum, ihrer Fortpflanzung, ihrem Larvenstadium und ihrem Lebensraum zu beobachten sind. 

Besonders unter Gesichtspunkten der Phänologie, also saisonaler Veränderungen in der Flora und Fauna, ist die Pazifische Felsenauster äußerst aufschlussreich. Während etwa bei der Europäischen Auster kaum Veränderungen zu beobachten sind, verschiebt sich die Legezeit bei der Pazifischen Art immer weiter nach hinten – von Ende Juni/Anfang Juli in den 90er Jahren auf den Mitte August im Jahr 2012. Die Entwicklung der Larven ist eng mit der Wassertemperatur verbunden: je wärmer das Meer, desto kürzer dauert das Larvenstadium. Bei 19°C sind es noch ganze 20 Tage, bei 22°C nur noch 15 und bei 27°C schlüpfen die Larven bereits nach 6 Tagen. 

Aufgrund der immer wärmer werdenden Sommer verschiebt sich der Lebensraum der Auster immer weiter Richtung Norden. Seit Mitte der 70er Jahre ist die Muschel bereits an den Küsten Englands und der Niederlande heimisch und mittlerweile ist sie sogar bis an die schwedischen und norwegischen Küsten und in die Ostsee vorgedrungen. 2008 wurde die Auster erstmals nördlich des 60. Breitengrades, südlich von Bergen (Norwegen), angetroffen.   

Seit 2008 hat die französische Austernwirtschaft mit einer außergewöhnlich hohen Sterblichkeitsrate von 60 – 90 % zu kämpfen. Angesichts dieser besorgniserregenden Zahlen rief das französische Meeresforschungsinstitut Ifremer (Institut français de recherche pour l'exploitation de la mer) 2009 das Netzwerk RESCO ins Leben mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Austern anhand von Versuchsexemplaren zu erforschen und ihre Überlebenschancen zu verbessern. Als Forschungslabore dienen fünf Muschelbecken, die im ganzen Land verteilt sind: im Etang de Thau (Hérault, Languedoc-Roussillon), in der Bucht von Arcachon (Gironde, Aquitaine), in den Pertuis Charentais (Vendée, Poitou-Charentes), in der Bucht von Bourgneuf (Vendée, Poitou-Charentes) und in der Reede von Brest (Finistère, Bretagne). Dank des außergewöhnlich milden Winter 2013/14, dem durchschnittlich warmen Frühling und den günstigen Witterungsbedingungen im Sommer kam es Mitte Juli fast gleichzeitig im gesamten Forschungsgebiet (im Etang de Thau schon früher) zu einer überdurchschnittlich ergiebigen Eiablage. Doch die Hoffnungen wurden durch den kalten August wieder etwas getrübt, durch den sich die Larven nicht ideal entwickeln konnten.

LER Pertuis Charentais; Bild: Ifremer

Ungewisse Zukunft für die Auster 

Auch die Versauerung der Ozeane stellt für die Auster wie für viele Muschelarten eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Rund 30 % des CO2-Ausstoßes auf der Erde werden in den Weltmeeren gebunden, was zu einer Veränderung der chemischen Zusammensetzung führt. 2010 stellte man fest, dass sich der PH-Wert des Atlantiks um -0,1 verändert hatte und bis 2200 rechnet man mit einer Reduktion um 0,5. Während der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre vor der industriellen Revolution bei etwa 280 ppm (parts per million) lag, misst man heute bereits eine Konzentration von 390 ppm und bis 2100 rechnet man mit bis zu 560 ppm. Dieser Anstieg geht mit einer Veränderung im Kalzifizierungsprozess einher, die verheerende Auswirkungen auf die Austern, aber auch andere Meerestiere wie Plankton und Korallen hat. Die Tiere werden kleiner und ihr Lebenszyklus wird kürzer. 

Das Schicksal unserer geliebten Auster ist also eng mit unserem Klima verbunden. Doch die Wissenschaft kennt bei weitem noch nicht alle Faktoren, die das Überleben der Auster beeinflussen. Die Frage bleibt also: Wird sich die Auster anpassen können oder wird sie über kurz oder lang aus unseren Meeren und von unseren Tellern verschwinden?

Weitere Infos zur französischen Austernwirtschaft und eine Anleitung für ein leckeres Austern-Festmahl findet Ihr im ersten Teil unserer zweiteiligen Beitrags

Quelle: 

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Donnerstag, 4. Dezember 2014

Austern - Teil 1

Austern - 100 % biologisch!


Bild: David Monniaux; Quelle: Wikipedia Commons

Nicht nur in Frankreich gilt die Auster als begehrte Delikatesse. Doch bei unseren westlichen Nachbarn nimmt die Muschel einen ganz besonderen Stellenwert ein. Denn die Austerwirtschaft hat hier eine lange Tradition und die Franzosen verzehren mehr Austern, als jede andere Nation auf dieser Welt. Weltmeister in der Austern-Produktion sind jedoch andere – nämlich die Chinesen, gefolgt von den USA, Japan und Korea. Frankreich folgt an fünfter Stelle.
 

Die Austernwirtschaft in Frankreich

Innerhalb Europas gilt Frankreich hingegen seit jeher als führender Erzeuger, Verbraucher und Exporteur von Austern. Lange Zeit wurden hier pro Jahr rund 150.000 Tonnen produziert – das entspricht fast 5 Kilo pro Sekunde! Doch seit 2008 steckt die französische Austernwirtschaft in einer handfesten Krise: Eine Krankheit, die durch das OsHV1-Virus erzeugt wird, führt zu einer hohen Sterblichkeitsrate bei den jungen Tieren und bedroht so den gesamten Artenbestand. Die Folge ist ein starker Rückgang in der französischen Austernproduktion auf rund 100.000 Tonnen im Jahr 2013. Damit verbunden ist natürlich ein enormer Preisanstieg, der vielen Austernfans den Appetit verdirbt.   

Dennoch essen auch heute noch 65 % aller Franzosen regelmäßig oder gelegentlich Austern, denn die Muschel zählt als besonders authentische, natürliche und gesellige Köstlichkeit, die tief in der französischen Tradition verwurzelt ist. Im Durchschnitt kommt diese in einem französischen Haushalt drei Mal im Jahr auf dem Tisch, wobei jeder Franzose jeweils acht bis neun Austern verdrückt. Und dabei ist das Meerestier keinesfalls den Erwachsenen vorbehalten: 70 % unserer westlichen Nachbarn beginnen schon als Kinder oder Jugendliche damit, Austern zu essen. Die meisten Franzosen kaufen ihre Austern im Supermarkt (56 %). Aber auch in Fischläden (42 %), auf Märkten (34 %), direkt an der Austernzucht (27 %) oder im Restaurant (16 %) findet die Muschel Abnehmer. 


Die Geschichte der französischen Austernwirtschaft reicht übrigens bis zu den Römern zurück, die große Liebhaber der Meeresmuschel waren. Und auch sie wussten schon, dass „die Austern an einigen Orten besser schmecken, als an anderen“, wie man in den Schriften von Plinius dem Älteren nachlesen kann. Als sie Gallien einnahmen, begannen die Römer, Austern von der bretonischen Küste und aus dem Ärmelkanal zu importieren. Entlang der Strecke von Gallien nach Rom wurden überall Meerwasserbecken angelegt, in denen die Austern gelagert werden konnten.
 

Austernarten – Pazifisch vs. Europäisch

Wer nun denkt, dass Auster gleich Auster ist, der hat sich gründlich getäuscht. Weltweit zählt man heute über 100 Arten. In Frankreich werden vorwiegend zwei Sorten angeboten: die Pazifische Felsenauster (huître creuse), die weltweit den größten Anteil am Austernmarkt hat, und die Europäische Auster (huître plate), eine heimische Sorte, die jedoch sehr selten geworden ist und von der jährlich nur rund 2.000 Tonnen erzeugt werden. Die beliebteste Austernsorte ist die Fine de Claire N°3, eine Pazifische Felsenauster, die vorwiegend aus Marennes d’Oléron und aus der Bretagne stammt. Dank ihres hohen Fleischanteils und ihres moderaten Preises ist diese Sorte bei vielen Verbrauchern sehr beliebt und wird besonders an Festtagen in Massen verkauft. Echte „Connaisseurs“ greifen dagegen lieber zur selteneren europäischen Art, die sich durch einen feineren Geschmack aber eben auch durch einen deutlich höheren Preis auszeichnet.

Nahrhaft und unbedenklich

Für den Verzehr von Austern spricht jede Menge: Die Muscheln sind nicht nur gesund, sondern auch 100 % biologischer Herkunft, denn die Tiere werden im Meer in streng überwachten Zuchtgebieten und ohne Zusatz von chemischen Produkten großgezogen. Aus diesem Grund gibt es auch kein Bio-Siegel für Austern, mit Ausnahme des Label Rouge, das die Einhaltung strenger Richtlinien bei der Aufzucht garantiert. Die Schale eignet sich übrigens wunderbar als Bio-Kompost. Die Meerestiere enthalten sehr wenig Fett und Kalorien (ca. 110 kcal pro ein Dutzend Stück), dafür aber umso mehr wertvolle Spurenelemente wie Eisen, Magnesium und Calcium sowie zahlreiche Vitamine.      


Auf die Austern, fertig, los!

Dank ihres einzigartigen Geschmacks braucht es keine große Kochkunst, um Austern zuzubereiten – denn naturbelassen schmecken sie am besten!
 

Zunächst solltet Ihr Euch vergewissern, dass die Austern frisch sind und nicht aufklaffen. Die Schale sollte durchgängig geschlossen sein. Erfahrene Austernverkäufer erkennen am Klang zweier Austern, die sie gegeneinander klopfen, ob die Schalen gut gefüllt sind. Am besten vertraut Ihr also auf ihr Urteil, wenn es darum geht, die besten Stücke auszusuchen.
 

Zum Öffnen braucht Ihr ein kurzes und spitzes Messer. Nehmt die Auster so in die Hand, dass die gewölbte Seite nach unten und die „Spitze“ bzw. das Scharnier zu Eurem Körper zeigt. Führt dann das Messer auf der Höhe Eures Mittelfingers zwischen die beiden Schalenhälften und knackt die Muschel durch eine Hebelbewegung auf. Löst das Fleisch vorsichtig von der Schale ab, gießt das Wasser ab und enfernt evtl. abgebrochene Schalenstücke. Die Muschel sondert nach ca. 1 Stunde noch mal Wasser ab, das sehr schmackhaft und weniger salzig ist. 

Danach kann man die Muschel nach Geschmack mit etwas frisch gepresstem Zitronensaft (bitte kein industriell hergestellter Saft!) oder mit einer selbstgemachten Sauce beträufeln. Meine Mutter hat dazu immer eine Sauce aus Rotweinessig mit feingehackten Charlotten und Pfeffer gereicht, die sie „Pauvre homme“ (armer Mann) nannte. 
 

Dazu wird Roggenbrot serviert, das in dünne Scheiben geschnitten wird und mit Butter bestrichen wird.

Bon appétit et joyeuses Fêtes!





Bild: Peter Gugerell; Quelle: Wikipedia Commons


Natürlich geht der Klimawandel auch an der Austernwirtschaft nicht spurlos vorbei. Diesem Thema widmen wir uns im zweiten Teil unseres Beitrags.

Quellen: 
Réseau Velyger
Label Rouge


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Donnerstag, 27. November 2014

Frankreich und seine Meere

Frankreich und seine Meere – Potential und Herausforderung für eine nachhaltige Entwicklung



Wusstet Ihr, dass Frankreich zusammen mit seinen Überseeregionen, den sogenannten DOM-TOMs (Départements et territoires d’Outre-Mer), nach den USA das zweitgrößte Hoheitsgebiet in den Weltmeeren besitzt? Frankreich selbst scheint global gesehen mit seinen 640.000 km2 (0,43 % der Landfläche der Erde) zwar verschwindend klein, doch wenn man seine kontinentalen und maritimen Einflussgebiete dazu nimmt, wird es zu einem wahren Schwergewicht. Die Gesamtfläche seiner ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ)* beläuft sich auf über 10 Millionen km2 – nur 300.000 km2 weniger als die der USA.

Die seerechtlichen Zonen; Bild: historicair; Quelle: Wikimedia Commons


* Eine ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) garantiert einem Küstenstaat das alleinige Recht, in einem Gebiet von bis zu 200 Meilen (ca. 370 km) ab der Basiszone natürliche Ressourcen im und über dem Meeresboden zu erforschen und wirtschaftlich zu nutzen. 

Die AWZ Frankreichs und seiner Überseegebiete, Quelle: IFM

Die Fläche der AWZ Frankreichs

Nachhaltige Entwicklung in den französischen Meere


Dieses riesige Seegebiet bedeutet für Frankreich ein erhebliches Potential aber auch eine enorme Herausforderung im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung seiner europäischen und insbesondere seiner Überseeregionen.  

Um seine maritimen Hoheitsgebiete auszubauen und besser zu nutzen, rief Frankreich 2002 das Programm Extraplac ins Leben mit dem Ziel, seinen Anspruch auf alle Seegebiete der DOM-TOMs geltend zu machen. Dabei wurden vier Schwerpunktregionen definiert: der Golf von Biskaya, der innerhalb Europas geopolitisch von besonderer Bedeutung ist, Guyana aufgrund des noch unerschlossenen Erdölvorkommen im Meeresboden, Neukaledonien, vor dessen Küsten ebenfalls zahlreiche „interessante“ Ressourcen vermutet werden, und die Kerguelen, die über ein riesiges Seegebiet verfügen.

Sollten Frankreichs Politiker irgendwann ernsthaft darüber nachdenken, die vielen Kernkraftwerke auf dem Festland durch weniger bedenkliche Energiequellen zu ersetzen, könnten sie auf ein außerordentliches Potential an mariner Windkraft in der AWZ zurückgreifen. Schätzungen zufolge reicht dieses aus, um 2.000 große Kernreaktoren zu ersetzen.

Handlungsbedarf besteht auch im Hinblick auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der französischen AWZ, insbesondere im Fischfang, der mit 34 kg pro Einwohner und Jahr nach Spanien und Portugal zu den bedeutendsten in Europa zählt und der in bedenklichem Maße zur Ausbeutung der Ozeane beiträgt. Aber auch die Auswirkungen des Klimawandels, die Versauerung der Meere durch die Industrie, das Schmelzen der Polkappen, die Makro-Verschmutzung durch Abfälle, die ganze „Plastik-Kontinente“ auf hoher See bilden, sowie die chemische Verunreinigung, die vor allem den Küstenregionen große Probleme bereitet, stellen eine riesige Herausforderung dar. Um sich dieser zu stellen setzen engagierte und visionäre Unternehmer zunehmend auf nachhaltige Zukunftstechnologien wie erneuerbare Meeresenergien und Biotechnologien.

Schließlich ist der Ozean aber auch geo- und sicherheitspolitisch von größter Bedeutung. Doch der Schutz der Weltmeere steht in Frankreich sehr weit unten auf der politischen Agenda. Wenn man bedenkt, dass Frankreich für das zweitgrößte Seegebiet der Welt verantwortlich ist, stellt sich da natürlich die Frage, ob daran nicht etwas geändert werden sollte…

Quellen: 
IFM – Institut Français de la Mer
Euromaritime – Europäische Messe zum Thema Meer und Binnengewässer
Te mana o te moana – NGO für den Schutz der Meere in Polynesien
LittOcean – Organisation für nachhaltige Meere und Küsten
Surfrider ( NGO zur Erhaltung der europäischen Küstenregionen
www.energiesdelamer.blogspot.de – Blog über Meeresenergien

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